Wir haben mit Spannung auf die Ergebnisse der Studie der Wayne State University gewartet, in der untersucht wurde, ob wir die Reaktion unseres Körpers auf Kälte beeinflussen können, und freuen uns, sie nun endlich mitteilen zu können. Die vollständige Studie wurde in der Fachzeitschrift NeuroImage veröffentlicht und kann hier nachgelesen werden, aber für die meisten ist das ein undurchschaubares Durcheinander von Fachchinesisch, deshalb hier das Wesentliche in Laiensprache.
Wir alle haben angeborene Mechanismen um mit der Kälte umzugehen: Gefäßverengung; erhöhter Energie Stoffwechsel; Schmerzsignale, die uns sagen, dass wir das, was wir gerade tun, nicht tun sollen. Das sind sogenannte „Bottom-up“-Prozesse – Umweltreize treffen auf die Peripherie und diktieren eine automatische physiologische Reaktion. Das funktioniert bis zu einem gewissen Grad, aber es ist sehr begrenzt und streng reguliert.
Einige zusätzliche körpereigene Vorgänge wirken in die entgegengesetzte Richtung: Sogenannte „kortikale Hirnareale höherer Ordnung“ senden Signale aus, die eine gewisse körpereigene thermoregulierende Wirkung haben. Es wurde jedoch angenommen, dass diese „Top-down“-Impulse bei der Bewältigung negativer Reize nur eine sehr begrenzte Rolle spielen. Frühere Studien haben die Aktivität dieser Bereiche gemessen und festgestellt, dass ihr Beitrag vernachlässigbar ist.
Einige wenige Menschen weisen jedoch eine extreme Kältetoleranz auf, die weit über das hinausgeht, was diese Bottom-up-Mechanismen bewirken könnten, und zufällig kennen wir einen solchen Menschen sehr gut. Wims scheinbar übermenschliche Fähigkeit macht ihn zum idealen Objekt für
Sie setzten Wim zeitweise einer leichten Unterkühlung aus und benutzten dazu einen speziell entwickelten Ganzkörperanzug mit einem Netz aus winzigen Röhren, die in den Stoff eingewebt sind und eine Temperaturkontrolle des Wassers und eine Messung der Hauttemperatur auf 0,1 °C genau ermöglichen. Anschließend wurden PET/CT- und fMRI-Scans eingesetzt, um sowohl die Peripherie als auch das Geschehen im zentralen Nervensystem zu messen.
Und was hat das gezeigt? Wenn Wim die Atemtechnik der Wim-Hof-Methode anwendet, sind die kortikalen Bereiche höherer Ordnung im Gehirn deutlich aktiver. (Diese werden auch mit Selbstreflexion und innerem Fokus in Verbindung gebracht und führen zu einem „Hier und Jetzt“-Zustand, der die Sorgen über die Vergangenheit und die Zukunft vertreibt.) Zweitens scheint Wim Regionen im periaqueduktalen Grau zu aktivieren, einem Teil des Gehirns, der das primäre Kontrollzentrum für die Schmerzunterdrückung ist. Dies ist eine vielversprechende Entdeckung, die dazu führen könnte, dass die Wim-Hof-Methode als körpereigenes Schmerzmittel eingesetzt werden kann, und spiegelt die Ergebnisse wider, die wir bereits heute bei Menschen sehen, die die Wim-Hof-Methode effektiv zur Bekämpfung von Krankheiten wie Fibromyalgie. Schließlich haben die Messungen gezeigt, dass die Atmung der Wim Hof Methode den Glukoseverbrauch erhöht, was wiederum Wärme erzeugt, die das zirkulierende Blut erwärmt. Das erklärt zumindest teilweise, warum die Körperkerntemperatur bei Wim Hof nicht sinkt.
Die Ergebnisse zeigen deutlich, dass bestimmte Hirnregionen einen wesentlichen Beitrag zur Top-down-Regulierung der Reaktion des Körpers auf abwehrende Umweltreize leisten können. Damit wird die bisher akzeptierte Theorie widerlegt, dass diese Funktion fast ausschließlich peripheren Prozessen vorbehalten ist. Wie bei den meisten guten Studien, haben die Antworten viele neue Fragen aufgeworfen. Sie bilden eine solide Grundlage für weitere Forschungen, die hoffentlich bald folgen werden.
Eine vollständige Aufschlüsselung der Studie kannst du hier.