Wie alle lebenden Organismen, atmet auch das Meer atmet. Doch heute fällt ihm das Atmen alles andere als leicht: Es scheint immer berauschter und immer weniger in der Lage zu sein, sich selbst zu regenerieren. Die Gründe dafür sind leicht zu verstehen: Wie kannst du gut atmen, wenn buchstäblich Inseln aus Plastik und Öl in deinem riesigen Gewebe schwimmen? Kann der Planet Erde jemals ohne seine Ozeane überleben, die durch die Überproduktion und den Abfall der Menschen stark beschädigt sind? Das ikonische Bild von Justin Hoffman, das ein Seepferdchen zeigt, das sich in indonesischen Gewässern an einem Q-Tip festhält, oder die Plastikmüllhalden, die in gestrandeten Meeressäugern gefunden werden, gehören zu den Stimmen, die zunehmend die einzige Antwort finden: So kann es nicht weitergehen.

Es geht um mehr als bloße Kurzatmigkeit: Etwas erstickt nicht nur die Ökosysteme der Meere. Es ist das eigene Gewissen der Menschheit, das erstickt. Deshalb hat sich die EU endlich zusammengesetzt und am 19. Dezember letzten Jahres eine entscheidende Vereinbarung getroffen. Plastikstrohhalme, -besteck, -geschirr, -flaschen, Fischernetze, Zigaretten … diese ganze berauschende Welt des Plastiks– vor allem des Einwegmülls –muss schrittweise verboten werden, zugunsten eines neuen Systems, das bis 2024 die Einstellung unserer Spezies zu unseren Gewässern radikal verändern soll. Von allen teilnehmenden Ländern wird erwartet, dass sie wachsam sind, und die Unternehmen müssen nachhaltige Alternativen zu ihrer derzeitigen Verpackungspolitik finden.

Es spielt keine Rolle, ob neue Forschung Werkzeuge und Technologien für die Säuberung der Meere entwickelt, wie zum Beispiel plastikschluckende Roboter oder Pilze, die Enzyme ausscheiden, die umweltschädliche Stoffe synthetisieren können. Nein. Diese Initiative der Europäischen Union zielt darauf ab, unser unermessliches Erbe zu bewahren, und das fängt schon beim Bewusstsein der Einzelnen und der Gemeinschaften an. In der Hoffnung, das Meer dank der enormen Kraft seiner Strömungen bald selbst als nachhaltige Energiequelle nutzen zu können. Oder, mit anderen Worten, seinen Atem.


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