Haben dir deine Eltern gesagt, dass das Frühstück die wichtigste Mahlzeit des Tages ist? Haben deine Lehrer dir beigebracht, in bestimmten Rahmen zu denken? Und macht dir alles um dich herum klar, dass du immer gut aussehen oder hübsch sein musst? Von klein auf wird uns beigebracht, in Schwarz und Weiß zu denken. Außerdem wird uns beigebracht, dass wir in der modernen Welt faul werden und uns die Motivation fehlt. Ist das unsere Schuld? Bedeutet es, dass wir unsere Willenskraft verloren haben? Bedeutet es, dass wir uns nicht bemühen?

Ich denke, wir alle haben Willenskraft – wir versuchen, genug zu essen, genug abzunehmen, gut auszusehen, nett zu sein, Wissen zu haben und die Liste geht weiter. Aber was ist, wenn nicht die Willenskraft das Problem ist, sondern unser Fokus? Wir sind so sehr darauf getrimmt zu denken, dass B aus A folgt. Ist das so? Sind wir nicht in der Lage, unser eigenes Alphabet herauszufinden? Wir bemühen uns so sehr, der beste Mensch zu sein, der wir sein können, aber wir haben oft das Gefühl, dass wir versagen, und verlieren die Motivation.

Was wäre, wenn die beste Version von uns selbst nur wenig mit einem äußeren Fokus auf unser Gewicht, unseren Körper, unsere Intelligenz oder unseren Charakter zu tun hat, sondern alles damit, „tief in uns selbst zu gehen“. Das heißt: Wenn wir uns um uns selbst kümmern, auf unseren Körper hören und in die Grauzone des Unbekannten gehen, finden wir vielleicht genau das, wonach wir gesucht haben. Und wir könnten erkennen, dass wir nur nach uns selbst gesucht haben.

Ich möchte das mit einer Erfahrung verdeutlichen, die ich heute Morgen gemacht habe: In den letzten sechs Wochen habe ich eine kalte Dusche jeden Tag. Das wird langsam zur Gewohnheit. Es ist eine einfache Gewohnheit, denn die einzige Ausrede liegt in den letzten Sekunden, in denen du entscheidest, ob du die Heizung abschaltest. Mit der Atmunghabe ich allerdings nicht viel gemerkt. Ich habe das Kribbeln nicht gespürt, die Benommenheit nicht. Es fiel mir schwer, mich an die morgendliche Routine zu halten: Dehnen – Atmen – kalt duschen.

Heute Morgen dachte ich: „Einfach der Routine folgen, keine Ausreden“. Ich habe meine Willenskraft verändert. Ich musste mein Gewohnheitsgehirn bekämpfen, das mir sagte, ich solle meine E-Mails checken, frühstücken, stressen über alltägliche Dinge. Also änderte ich den Fokus meiner Willenskraft und beschloss, meine fest verdrahteten Gedanken zu ignorieren. In diesem Moment hatte ich das Gefühl, dass ich kein Frühstück brauche. Und dann dachte ich: „Seit ich mit der Wim-Hof-Methode angefangen habe, habe ich weniger Hunger am Tag“. Das Essen ging mir nicht mehr ständig durch den Kopf und wurde zu einem weniger stressauslösenden Faktor. Nach den Dehnübungen machte ich die Atemübung, und da war es: Kribbeln, Schwindelgefühl… es fühlte sich toll an! Danach sehnte ich mich nach einer warmen Dusche, gefolgt von einer kalten, also hörte ich auf meinen Körper und das tat ich auch.

Jetzt, Stunden später, spüre ich immer noch die Wirkung. Ich bin entspannt und fühle mich gestärkt. Die Drähte in meinem Gehirn beginnen sich zu lockern – mein Körper und mein Geist sagen mir, wann und was ich essen muss, welche Gedanken nützlich sind und welche nicht. Und die netten Nebeneffekte? Ich bekomme Bauchmuskeln aus der kalten Dusche, bin sorgenfreier und spare Geld für Lebensmittel und Fitnesskurse. Ich erschaffe mein eigenes Alphabet und entscheide, auf welchen Buchstaben ich mich konzentrieren will.


Bo ist Schriftsteller und Redakteur.